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"Hamlet Sein - Sie bringen sich bloß um“

Nach seinem Riesenerfolg mit dem Shakespeare Stück Richard II von Gernot Plass widmet er sich dieses Mal der weltberühmten Theaterfigur schlechthin: dem lebensuntüchtigen Hamlet und seinem Weltkummer. Es ist der Monstertext der Weltliteratur, für alle Theaterleute Lust und Angst gebierend zugleich.

Frech geht Plass und bewusst "schlampig" wie er selbst zugibt mit dem Text um, es geht ihm nicht um Zerstörung des großen Theatermythos, sondern wie man Shakespeare Meisterdrama heute noch für ein zeitgenössisches Publikum auf der Bühne zeigen kann. Er wählt den kühnen Weg der radikalen Neuanordnung, Ergänzung durch eigene Textpassagen, Umkehrung der Sinn-und Seinsfrage, nicht mehr Sein das Nichtsein nach Heidegger wird thematisiert.

Plass und sein außergewöhnlich gutes Schauspielerensemble (Gottfried Neuner als Hamlet und Michaela Kaspar als Ophelia sind hinreissend in ihrer Bühnenpräsenz) legen eine große Theaterarbeit im Theater an der Gumpendorferstraße (TAG) vor:

Keine Vergötterung des Autorengenies Shakespeares herrscht vor, sondern der Mut durch Textransformation, Figurenumstellungen und - wie Plass auch betont - eine pragmatische und humorvolle Arbeitsweise, die aber auch den nicht gerade bescheidenen Anspruch erhebt, die revolutionäre und intellektuelle Immanenz des Textes wieder an die Oberfläche zu bringen, die  durch all zu viel museale Bewunderung leicht angestaubt sein mag.

Plass’ Konzept geht davon aus, dass die lineare, klassische Erzählweise in der heutigen Welt einem Publikum, das durch komplett andere Wahrnehmung und Welterfahrung sowie radikal anderer Medialisierung geprägt ist, nicht mehr zumutbar ist. Daher wählt er den Weg, dem Material und dem Werk zwar nicht "treu" zu sein aber philosophie- und geistesgeschichtlich sehr viel mehr auf der Spur zu sein. Wenn man sich gewahr wird, dass auch Shakespeare einen "Ur-Hamlet" neu fasste, ihn mit der Denkwelt seiner Gegenwart ausstattete und erneuerte, dann ist Plass in diesem Sinne kein Zerstörer sondern Bewahrer im besten Sinne. Auch er konfrontiert die Fragestellungen des Shakespeare´schen Hamlet mit denen der Neuzeit und der Gegenwart. Er benennt soziale Unterschiede, lässt geistesgeschichtliche Bezüge einfliessen und erfindet im besten Sinne neu: Sein Hamlet ist Student in einem deutschen Städtchen und wäre ein Star am akademischen Himmel geworden, wäre er nicht zum Prinzendasein verurteilt.

Die Herausforderung des Abends ist für das Publikum, den Denkschleifen und philosophischen Kniffen zu folgen und sich darauf einzulassen, dass die Szenen, die einem so bekannt aus der Schule und Bühne vorkommen, so fremd und neuartig scheinen.
Höchste Konzentration ist vonnöten um diesem 3 Stundenabend gespannt zu folgen, aber es lohnt sich!

Karoline Janicek für Kulturfokus

2 Kommentare Karoline Janicek am 30.3.12 15:56, kommentieren

Stummfilm the man who laughed im Filmcasino

Ein besonderer Gustohappen für FreundInnen des klassischen Stummfilms und deren wird es ja nach dem wahren Oskarregen für den Stummfilm "The Artist" verstärkt geben, war die Aufführung des Stummfilms "The man who laughend" im Filmcasino im Rahmen des heurigen Akkordeonfestivals.

Der aus dem Jahr 1928 stammende Stummfilm von Paul Leni wurde mit der Livemusikbegleitung von Stefan Scherzinger am Akkordeon und Franz Schaden am Kontrabass sorgte Sonntag mittag für Grusel und Schauer der besonderen Art: Die Verfilmung nach dem Roman von Victor Hugo mit dem Darsteller Conrad Veidt ist besonders geeignet durch die Begleitung mit Livemusikern, die sich offenbar mehr an Szenen und Stimmung als ans den fixen Noten orientiert haben. Leitmotivisch erklingen manche Melodien immer wieder und erzeugen eine sehr gute Mischung aus Hollywoodmelodram und Horrorgenre. Die Handlung ist typisch für Hugoromane: Historisch wird das England James II illustriert durch die konträre Darstellung von Hof und einfachem Volk, das sich an den Jahrmärkten und bei den Schaustellern von Kuriositäten belustigt. Der Mann, der nicht zu lachen aufhören kann, ist Produkt des Chirurgen, Dr. Hardquannone, der ihn quasi wie eine Frankensteinfigur, zu ewigem Grinsen verurteilt aus Strafe für die Beleidigungen, die sein Vater dem englischen König angedeihen liess.

Die Filmvorlage lässt das Ende des Buchs aus, in der die Geliebte des "Monsters"  Gwynplaine  stirbt und er selbst sich ertränkt. Ein Filmereignis mit spannender Musikbegleitung für alle die Historisches zu schätzen wissen.

1 Kommentar Karoline am 7.3.12 13:53, kommentieren

6.12.2011 Bernie Magenbauer - Unterm Strich - Der Jahresrückblick 2011

„Ein bunter Strauß Erinnerung“

An drei Dienstagen im Dezember (6.12, 13.12. und 20.12) lädt der Kabarettist Bernie Magenbauer ins Theater am Alsergrund, um originelle, skurrile witzige und scharfe Blicke auf fast vergessene Ereignisse des zu Ende gehenden Jahres 2011 zu werfen. Eingeladen hat er auch zwei Gäste, den Blonden Engel und Alexander Sedivy. Eine andere, vergnügliche Art, das Jahr 2011 noch einmal Revue passieren zu lassen, findet Kulturfokus-Redaktrice Margot Fink.

Der sympathische Bernie Magenbauer als Moderator des Abends, im eleganten Sakko mit roter Umrandung, leitet „gottschalkesk“ in den Abend ein, legt also die Latte schon in den ersten Minuten sehr hoch. An dieser Stelle sei die Antwort vorweg genommen: nein, Bernie Magenbauer hat genauso wenig Zeit, die Sendung „Wetten, dass …“ zu übernehmen wie der zuletzt gefragte Günther Jauch. Bernie Magenbauer hat Wichtigeres zu tun, nämlich sein 2. Soloprogramm „Im Geheimdienst Ihrer Mayonnaise“ zu spielen, beim Schmähstadl im Spektakel 2.0 mitzuwirken und auch den Jahresrückblick 2011 zu präsentieren. Für das Publikum bietet sich wieder einmal Gelegenheit, an der Magenbauerschen wunderbaren Welt voll Wortwitzkapriolen, Nonsens und Skurrilität teilzuhaben.

Zur Themenauswahl sei nicht viel verraten, soll doch das Publikum, das sich diesen Jahresrückblick am 13. oder 20.12. live anschauen will, überrascht werden. Das treffende Kommentar zum Jahr 2011 stammt von einem der eingeladenen Gäste, dem Blonden Engel, der in einem seiner Lieder lakonisch meint: „Letztes Jahr war super, ich glaube, ich bleibe ein wenig länger dort.“

Vielleicht gibt es ZuschauerInnen, die sich vor der Vorstellung Gedanken über das Jahr 2011 machen oder sich fragen, ob Bernie Magenbauer das eine oder andere Ereignis erwähnt und darauf eingeht. Ja, das tut er sicherlich. Und einige Themen drängen sich förmlich auf, an ihnen kommt man einfach nicht vorbei, hier nur ein paar Stichworte: Osama Bin-Laden, Ehec, Muammar Al-Gaddafi, das Konzert von George Michael in Wien, der Songcontest, die EM-Qualifikation aus österreichischer Sicht u.v.m… Mit dem zweiten Gast des Abends, Alexander Sedivy am Klavier, kommt auch eine illustre Gästeschar mit auf die Bühne und sorgt für Unterhaltung. Es beginnt mit Hermes Phettberg und endet mit Ostbahn Kurti. Herrlich.

Man kann sich vorstellen, dass es bei einem Jahresrückblick auch (innen)politisch wird. Bernie Magenbauer bedient sich aussagekräftiger Fotos, Überschriften und Postings. Sehr kurzweilig, sehr lustig ob Magenbauers bissiger Kommentare dazu. Die Informationen rund um die Dissertationsplagiate, betroffen u. a. Herr von und zu Guttenberg oder Gio Hahn, geraten zu lang und ausführlich und bremsen die Stimmung im Publikum. Bei einem Jahresrückblick ist das Angebot an Ereignissen groß, die man dem Publikum in Erinnerung rufen oder besprechen will, die Versuchung dabei ist groß, auch dem Motto „Mehr und noch mehr“ zu verfallen. Es gibt so viele Highlights an Kommentaren und Sprachspielereien, die Bernie Magenbauer präsentiert, die jedoch in der Masse immer wieder untergehen, überhört werden oder einfach in der Fülle der Information verloren gehen. Kurz gesagt: Weniger ist mehr bei diesem Jahresrückblick, unbedingt, und dann ist alles gut.

Soviel sei zu diesem Jahresrückblick gesagt: Es zahlt sich auf jeden Fall aus, das Jahr 2011 einen Abend lang von Bernie Magenbauer Revue passieren zu lassen. Wie eingangs schon erwähnt, er schnürt einen bunten Strauß an Erinnerungen in seiner typischen humorvollen Art, die manchmal mehr, manchmal weniger an Monty Python erinnert. Skurril, originell und sehr unterhaltsam.

Für den Kulturfokus: Margot Fink

www.magenbauer.at

www.alsergrund.com

 

1 Kommentar Markus Freiler am 8.12.11 19:58, kommentieren