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23.11.2011 - Harry Granitzer: Bournouten

 

Letzten Mittwoch premierte Harry Granitzer im Theater am Alsergrund mit seinem neuem Programm „Burnouten“. Da er als Lehrer sowohl in der Kollegenschaft, als auch unter den Schülern sehr beliebt sein dürfte, folgten diese ihm zahlreich  und der Alsergrund war zum Bersten voll.

Nun hat also auch Granitzer das Burnout-Virus erwischt?! Keine Sorge! So wie ihm der Brotberuf Spaß macht, merkt man ihm auch auf der Bühne die Spielfreude an. Und es ist nicht er, der unter dieser Moderkrankheit leidet, sondern er spielt die unterschiedlichsten Figuren, die dieser Seuche erliegen. Durchs Programm führt ein über den Dingen stehender Wissenschafter. Er versucht uns mit bildhaften Vergleichen aus dem IT-Bereich das Wesen des „Burnouts“ näher zu bringen. Granitzer setzt dabei auf Altbewährtes, nämlich das Einblenden von Bildern, die in pointierter Weise die Folgen des Burnout-Symptoms darstellen. Mit dem Einsatz von Bildprojektionen transponiert er das literarische Stilmittel der Metapher in zeitgemäße Formen.

Die erste Figur die Granitzer zum Besten gibt, ist der Kreativ-Bobo Saskia Schebesta „Was kann ich für sie tun?“. Granitzers Idee, ihn zum Cyborg mutieren zu lassen, indem seinen Körper als Bio-Office fungiert, ist schon wirklich skurril. Der Mail-/Telefon-/Fax-/SMS-/Internetverkehr erfolgt über diverse Körperteile. Der Empfang und das Senden ist von witziger Mimik und Gestik begleitet. Schlaf lade er sich nurmehr übers Internet herunter. Irgendwann bricht er doch unter der Datenflut zusammen: „Wer kann was für mich tun?!“

Der Nächste der sich ausgebrannt fühlen darf, ist ein Kärntner Bauer, der den Begriff des Single-Clubs wörtlich nimmt, ist er doch das einzige Mitlglied, weil das zweite Mitglied durch eine slowenische Schneekanone erschossen wurde. Klischeehaft und recht bodenständig werden hier die männlichen Balzrituale (z.B. Candlelight-Dinner in der Agip-Tankstelle) und die Verunsicherung bezüglich des von Frauen erwünschten Männlichkeitsbilds abgehandelt, was schließlich zum „mentalen Flächenbrand“ beim dem Landwirt führt.

Äußerst gelungen ist Granitzers Darstellung der neurotischen Berufsnonkonformistin. Seine Wandlungsfähigkeit von der vorigen Figur des Baurentölpels zur überkandidelten Dörte ist wirklich beeindruckend. Die Beispiele für ihre unkonventionelle Lebensweise sind schon herrlich absurd, z.B. Skilanglauf im Sommer auf der Donauinsel, als Arnachovegetarierin ißt sie nur das Gehäuse der Äpfel oder die Gräten vom Fisch. Den Breakdown erlebt sie, als sie sich zum konformistischen Verhalten gezwungen sieht, weil Nonkonformismus zum Mainstream geworden ist.

Auch bei der Darstellung des schizoiden Politikers, der unter dem Tourette-Syndrom leidet, zeigt Granitzer sein schauspielerisches Talent. Die Anfälle treten bei unterschiedlichsten Brett- bzw. Gesellschaftsspielen auf. Dies sei aber nur eine boshafte Unterstellung des Koalitionspartners, wahr sei viel mehr, er sei als Politiker so sehr überarbeitet, dass er unter Burnout leide.

Granitzer kann es aber auch weinerlich. Als Hyperempathikerin tritt er als Coach für Tiere auf, und ist so die bessere Edith Klinger. Sie hilft Gelsen mit Blutallergie, Vögeln mit Flugangst, oder hyperaktiven Faultieren. Den persönlichen Zusammenbruch erleidet sie allerdings aus Mitleid mit Eintagsfliegen, die nie mehr als eine Folge einer TV-Serie sehen können werden.

Fehlt da noch der Häuslbauer-King in Granitzers Figurensammlung. Mit einem Karaoke-Medley singt dieser über die Leiden des Eigenheimbaus. „Des Anzige was auf der Baustö fertig is, des bin i und mei Bunrout“. Für mich dauert der „Hausbau“ dieser Figur eindeutig zu lange, sodass ich fast dem „Bornout“ nahe war.

Auch wenn diese Floskel abgedroschen klingt: Granitzer zündet hier ein Pointenfeuerwerk des Humors. Das Problem ist nur, dass dieser Pyromane dabei vergisst, dass bei zu vielen „Feuerwerkskörpern“ unterschiedlicher Qualität, die Highlights an Strahlkraft am Firmament verlieren können. Will sagen: Weniger ist mehr, bzw. je nach „Publikums-Setting“ könnte er ja eher die feine Klinge auspacken oder eher den erdigen Humor walten lassen, und den anderen Part im Fundus lassen. Granitzer versteht es aufgrund seiner schauspielerischen Leistung das Publikum zu fesseln. Unter den gespielten Figuren wird sicherlich für jeden eine dabei sein, mit welcher er besonders viel Mitleid haben kann.

„Alle Lebewesen außer den Menschen wissen, dass der Hauptzweck des Lebens darin besteht, es zu genießen“ zitiert Granitzer Samuel Butler am Schluss. Meine Conclusio ist daher: Lieber Bur’nhaut, statt Burnout!

Für den Kulturfokus: Markus Freiler

 

http://www.alsergrund.com/index.php?page=18&kuenstler=138

Markus Freiler am 27.11.11 17:38

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